Mo.. Aug. 3rd, 2026

Wittenberg (md/wg). Die Autorenvereinigung PEN Berlin, hervorgegangen aus dem Schriftstellerverband PEN Deutschland, geht in den Osten Deutschlands und organisiert in 16 größeren und kleineren Orten in Sachsen-Anhalt eine Gesprächsreihe zum Thema „Heimat“ – die Fortsetzung der Serie, die mit 122 Mitwirkenden Anfang des Jahres in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begonnen wurde. Das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen, mehr noch: Das Publikum gestaltet als vierter Gast den Abend maßgeblich mit. Die Veranstaltungsreihe macht am 12. August um 19 Uhr auch Station im Stadtlabor, Markt 3. Der Eintritt ist frei.

Unter dem (sehr deutschen) Wort Heimat können sich viele Menschen immer noch – oder wieder? – etwas vorstellen: in konservativen Milieus, wo der Begriff seit eh und je beheimatet ist, in rechtsextremen Kreisen, die diesen Begriff zu vereinnahmen versuchen, aber auch links der Mitte. Was aber ist Heimat? Und – um die Frage mit Jean Améry zu formulieren – wie viel Heimat braucht der Mensch? Was ist erforderlich, um sich zu beheimaten? Was gefährdet das Heimatgefühl? Wie geht Heimat im Plural? Und gibt es ein spezifisches ostdeutsches Heimatgefühl, und wenn ja, was macht es aus?

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„Mit Jean Améry kann man Heimat als Sicherheit definieren“, sagte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel. „Viele Themen, die die Menschen in Deutschland bewegen, haben mit Ängsten zu tun: die Angst, dass der Staat seine Aufgaben nicht mehr erfüllt, die Angst vor wirtschaftlichem Niedergang, vor unkontrollierter Zuwanderung, vor Rechtsextremismus, die Angst, dass Wohnen unbezahlbar und Gesundheitsversorgung unerreichbar werden; kurz: die Angst vor dem Verlust des Vertrauten. Diese politische Dimension des Begriffs ‚Heimat’ interessiert uns mindestens so sehr wie die persönliche und emotionale.“

Über all das möchte PEN Berlin reden: Über Heimat – unter dem gebrochenen Motto „Ist das noch mein Land?“ bis zu „Ist das schon mein Land?“ – in Bernburg und Freyburg, in Weißenfels und Wittenberg. 16 Orte, 18 Tage, 48 Mitwirkende. Die Veranstaltung in Wittenberg ist eine Kooperation von PEN Berlin, Stadtwohnzimmer Wittenberg und der Buchhandlung „Der Esel auf dem Dach“. Das Wittenberger Podium setzt sich zusammen aus Carsten Franzke, geboren 1965 in Wittenberg. Der Industriekaufmann und Ökonom ist seit 2000 für das Chemieunternehmen SKW Stickstoffwerke Piesteritz tätig und seit Juli 2026 Vorsitzender der Geschäftsführung, zudem ist er Vorstandsmitglied des CDU-Wirtschaftsrates des Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

Lukas Rietzschel, geboren 1984 im sächsischen Räckelwitz, ist Schriftsteller und war zeitweilig im SPD-Ortsvorstand in Görlitz. Er wurde nominiert für den Dramatikpreis der Mühlheimer Theatertage und mit dem Sächsischen Literaturpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Roman „Sanditz“ (dtv, 2026). Die Moderatorin Kathleen Kröger wurde 1995 in Halle geboren, die Journalistin arbeitete unter anderem bei der Thüringer Allgemeinen und gewann 2023 den Reporter Slam. Sie ist Mitherausgeberin des Buches „Kino in der DDR – Perspektiven auf ein alltagsgeschichtliches Phänomen“ (Nomos, 2022). Mit dabei sind auch Aron Broks (Schriftsteller) und Deniz Yücel (Sprecher PEN Berlin). Grafik: Scholz & Friends/PEN Berlin

Von Redaktion

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