Dienstag, 13.01.2026

Wittenberg (md/wg). Die Viszeralchirurgie, ein Fachgebiet der chirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Paul Gerhardt Stift, freut sich über einen wichtigen Meilenstein: „Unser Krankenhaus darf auch künftig Operationen an der Bauchspeicheldrüse durchführen. Diese hochkomplexen Eingriffe erfordern eine sehr hohe interdisziplinäre Fachkompetenz und dürfen deshalb nur in Kliniken erfolgen, die die Bedingungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erfüllen“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Stockmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dass das Paul Gerhardt Stift diese sogar überdurchschnittlich erfüllt, wurde jetzt im Rahmen der neuen, öffentlich verfügbaren AOK Mindestmengen-Transparenzkarte 2026 bestätigt.

Operationen an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) werden unter anderem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Entzündungen oder chronischen Schäden des Organs sowie gut- und bösartigen Zysten oder Tumoren dieser Drüse vorgenommen. „Es können sowohl Teile des Pankreas wie der Kopf, der Körper oder Schwanz oder das gesamte Organ entfernt werden. Sehr komplex sind diese chirurgischen Eingriffe, weil oft der Verdauungstrakt mit Dünndarm, Galle und Magen rekonstruiert werden muss“, erläutert Chefarzt Prof. Dr. Stockmann.

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Mit modernen minimal-invasiven Techniken für kleinere Schnitte, aber auch mit klassisch offenen Eingriffen je nach Lokalisation und Tumorstadium werden Patientinnen und Patienten im Paul Gerhardt Stift versorgt. Jede Operation erfordert dabei hohe Anforderungen und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team. „Nur, wer als Klinik die entsprechende Fachexpertise sowie Routine und Erfahrung vorweisen kann, darf solche Operationen durchführen“, sagt der Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie sowie spezielle Viszeralchirurgie.

Das Paul Gerhardt Stift gehört in der Region und auch überregional zu den einzigen verbliebenen Kliniken, die solche Operationen anbieten darf. „Nächste Kliniken befinden sich erst in Magdeburg, Halle oder Leipzig“, so Prof. Dr. Stockmann. Bundesweit waren es 2023 noch 405 Krankenhäuser, die Pankreas-Operationen durchführten; 2026 werden es nur noch 286 Kliniken sein. Hintergrund ist die Anhebung der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorgegebenen Mindestmenge für solche Operationen von 15 auf 20 Fälle pro Jahr, die seit Anfang 2025 gelten.

„Mit dieser Vorgabe soll sichergestellt werden, dass solche hochkomplexen Eingriffe nur in spezialisierten Zentren mit erfahrenen Teams durchgeführt werden, um so die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen“, erklärt der Chefarzt. Prof. Dr. Stockmann bietet für entsprechende Patienten auch eine ambulante Spezialsprechstunde an. Mindestmengen müssen Kliniken beispielsweise auch für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Kniegelenk-Totalendoprothesen, bei Herz-, Leber- oder Nierentransplantationen einhalten. Die Mindestmengen werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss aufgrund gesetzlicher Regelungen des Fünften Buches Sozialgesetzbuch erlassen.

Bild: Prof. Dr. med. Martin Stockmann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, zeigt an einer Aufnahme der Bauchspeicheldrüse ein Karzinom. Foto: Janet Pötzsch

Von Redaktion

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