Samstag, 29.11.2025

Berlin/Wittenberg (md). Bunte Feuerräder, zischende Raketen und krachende Böller: Feuerwerk gehört für viele Menschen an Silvester und anderen Festen dazu – allerdings ist es in jüngster Zeit zunehmend umstritten. Denn Feuerwerk bringt vor allem an Silvester jedes Jahr starke Feinstaubbelastung und enorme Müllmengen mit sich, zudem hat es schädliche Auswirkungen auf Wildtiere. Der NABU fordert darum ein Verbot privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke.

„Vor allem Vögel reagieren stark auf Böller und Raketen an Silvester“, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Sie fliehen in große Höhen, landen für lange Zeit nicht und kehren nur zögerlich zu ihren Rast- und Schlafplätzen zurück.“ Wasservögel reagieren noch in vier bis sieben Kilometern Entfernung auf Feuerwerk mit Flucht. Wenn Vögel in Schwärmen in großer Panik flüchten, können sie gegen Glasscheiben oder Stromleitungen prallen. Aber auch andere Wildtiere wie Füchse, Biber und Fledermäuse werden durch den starken Lärm gestresst.

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Für viele Haustiere und ihre Besitzer sind die Tage um Silvester meist ein regelrechter Spießrutenlauf, denn vielerorts wird auch fleißig vor- und nachher geböllert. „Wer Haustiere hat, wird es kennen: Der Familienhund versteckt sich unter dem Sofa, wenn die stundenlange Knallerei losgeht“, so Miller. „Bei Wildtieren löst der heftige Lärm den Fluchtreflex aus.“ Dadurch verbrauchen sie viel Energie, die sie zum Überleben in der kalten Jahreszeit benötigen.

„Das kann schnell lebensbedrohend werden“, sagt Miller. Daher sollte Feuerwerk nie in der Nähe von Wäldern gezündet werden. Auch in öffentlichen Grünanlagen sammeln sich viele Vögel und andere Tiere zur Nachtruhe, genauso wie in Gärten oder auf Bäumen und im Gebüsch. Auch Seeufer und die offene Feldflur sind keine geeigneten Orte für das Silvester-Feuerwerk.

Der NABU fordert außerdem ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken in der Brutzeit von März bis August, für das nur durch die Einschätzung von Fachgutachtern Ausnahmen erteilt werden dürfen. Miller: „Feuerwerke in der Brutzeit können den Bruterfolg beeinträchtigen, beispielsweise durch Nestaufgabe und unterkühlte Eier wegen zu langer Abwesenheit der Altvögel.“ Es gelte außerdem Abstände von mindestens 2.000 Metern zu Schutzgebieten für Wildtiere und 4.000 Metern zu Kranich- und Gänseschlafplätzen einzuhalten. Auch in der Nähe bekannter Fledermausquartiere dürfe es kein Feuerwerk geben.

Jedes Jahr werden von den Deutschen über 120 Millionen Euro buchstäblich in die Luft gejagt. Die Folge ist die höchste Feinstaubbelastung des Jahres, denn durch die Feuerwerke werden circa 15 % der jährlichen im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge freigesetzt: Das sind circa 4.000 Tonnen. Hinzu kommt, dass nicht nur in der Silvesternacht jedes Jahr Menschen zu Schaden kommen, sondern auch bei der Herstellung in Ländern wie Indien und China.

Weniger ist oft mehr, Tradition anpassen

Den Spaß und die Freude zur Jahreswende, möchte der NABU den Bürgern nicht nehmen. Er bittet aber in Anbetracht der negativen Auswirkungen von Feuerwerk auf Wildtiere, Gesundheit und Umwelt um einen bewussteren Umgang. Wie so oft gilt auch hier: Weniger ist mehr. Denn jede Silvesterrakete, die nicht gezündet wird, ist ein Gewinn für die Umwelt. Wer gar nicht auf ein Feuerwerk verzichten mag, der sollte bitte über eine zeitliche Einschränkung nachdenken und darauf achten, dass das Feuerwerk aus Rücksicht auf die Wildtiere nicht in der Nähe von Wäldern, Seeufern, dem freien Feld, oder in öffentlichen Grünanlagen und in Gärten gezündet wird.

Es wäre allerdings aus Sicht des NABU sinnvoll, sich über eine Anpassung dieser Tradition Gedanken zu machen. Denn es gibt Maßnahmen, die die Belastung deutlich herabsetzen könnten wie erstens gesammelt böllern: Gemeinden können ein zentrales Feuerwerk organisieren und private Silvesterknallerei einschränken. Dadurch kann die ökologische Belastung der Raketen und Böller deutlich besser kontrolliert werden und die Bürger haben dennoch einen hell erleuchten Himmel. Zweitens ein Zeitfenster setzen: Privatpersonen dürfen bislang meist an Silvester und Neujahr ganztags Feuerwerke entzünden. Dieses Zeitfenster könnte begrenzt werden, zum Beispiel auf eine halbe Stunde ab Mitternacht.

Drittens klare Räume festlegen: In zahlreichen deutschen Städten ist die Silvesterknallerei in bestimmten Stadtteilen wie etwa der Altstadt oder der Innenstadt untersagt. Städte und Gemeinden sollten diese Option prüfen und ausweiten. Viertens Bewusstsein schaffen: Feuerwerke werden in den letzten Jahren zunehmend auch im weiteren Jahresverlauf bei Jubiläen, Dorf- und Stadtfesten, sportlichen Großveranstaltungen, Musikfestivals, Hochzeiten und sogar Geburtstagen durchgeführt. Längst nicht alle halten sich dabei an die Genehmigungspflicht. Wenn Bürger über die negativen Folgen der Feuerwerke Bescheid wissen, sind sie eher bereit, auf die Knallerei zu verzichten und Einschränkungen zu akzeptieren.

Fünftens Alternativen entwickeln: Traditionen ändern sich, insbesondere, wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind. Für einen besinnlichen Rutsch ins neue Jahr ist ein Feuerwerk nicht zwingend. Für alle, die dennoch ein visuelles Erlebnis möchten, sollten Städte und Gemeinden, aber auch Veranstaltungsorganisatoren Alternativen anbieten und neue Konzepte entwickeln, zum Beispiel Lichter-Shows.

Bild: Aufgescheuchter Gänseschwarm: Graugänse reagieren auf die Knallerei mit Flucht. Sie nehmen diese vermutlich als Jagd wahr. Foto: NABU/Corinna John

Von Redaktion