Wittenberg (aw). Mit einem klaren Appell an Zuversicht und gemeinsames Handeln eröffnete Landrat Christian Tylsch (CDU) am Freitagabend den traditionellen gemeinsamen Neujahrsempfang von Landkreis und Sparkasse Wittenberg. Rund 400 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren in die Sparkasse gekommen – darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Abgeordnete sowie zahlreiche Geschäfts- und Netzwerkpartner.

Bereits am Eingang wurden die Gäste von den Sparkassenvorständen Thomas Arndt, Ralf Fincke und Landrat Tylsch persönlich empfangen. „Wir starten das neue Jahr mit Optimismus und Tatkraft“, eröffnete Tylsch seine Rede. Er machte deutlich, dass Zuversicht keine naive Hoffnung sei, sondern eine bewusste Entscheidung. Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Bevölkerungsschutz seien ein klares Bekenntnis zu einer positiven Zukunft des Landkreises. Schulen, Straßen, Feuerwehren und Rettungsdienste seien keine abstrakten Posten im Haushalt, sondern die Grundlage für das tägliche Leben.

Tylsch appellierte an die gemeinsame Verantwortung aller – von Politik und Verwaltung über Vereine, Unternehmen bis hin zu den Bürgern. Zusammenhalt sei nicht nur in Krisen entscheidend, sondern im Alltag: in Schulen, Familien, Nachbarschaften, im Ehrenamt, bei Sportvereinen oder der Freiwilligen Feuerwehr. Zugleich ging er auf aktuelle Debatten ein: Ein kürzlich auf der Facebook-Seite der Kreisverwaltung veröffentlichter Kommentar zu einer Wetterwarnung habe gezeigt, wie stark öffentliche Wahrnehmung die Kommunikation beeinflusse. Kritik sei legitim, pauschale Herabwürdigung jedoch nicht. „Warnungen der Verwaltung dienen nicht der Panikmache, sondern der Sicherheit“, sagte Tylsch.

Ein zentrales Motiv seiner Rede war die bewusste Entscheidung für Zuversicht. Gerade in unsicheren Zeiten sei diese Haltung entscheidend – nicht weil alles leichter werde, sondern weil sie Mut und Tatkraft gebe. Für 2026 plant der Landkreis umfangreiche Investitionen: Rund 100 Millionen Euro stehen für Infrastrukturprojekte bereit, knapp 50 Millionen allein für Wittenberg. Alle 222 Kilometer Kreisstraßen werden Schritt für Schritt saniert, Schulen modernisiert, Turnhallen und Technik erneuert. Projekte wie das Kreisarchiv, der Schulcampus Mittelfeld, ein neues Katastrophenschutzlager und die Waldbrandtanker-Staffel stehen ebenfalls auf der Agenda. Abschließend erinnerte Tylsch daran, dass die Zukunft des Landkreises in den Händen der Menschen vor Ort liege.

Als Gastgeber blickte Sparkassenvorstand Thomas Arndt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Die Sparkasse Wittenberg konnte ihr operatives Ergebnis erneut steigern. Besonders hervorhob Arndt das Kreditgeschäft: Darlehenszusagen in Höhe von rund 192 Millionen Euro wurden vergeben, vor allem in Baufinanzierungen und Konsumentenkrediten. Auch die Kundeneinlagen wuchsen deutlich um etwa 70 Millionen Euro. Das Wertpapiergeschäft blieb stabil auf hohem Niveau: In rund 8.000 Beratungsgesprächen investierten Kundinnen und Kunden etwa 281 Millionen Euro in Aktien, Fonds und festverzinsliche Wertpapiere. Auch Edelmetalle wie Gold, Silber, Palladium und besonders Platin verzeichneten hohe Nachfrage, das Depotvolumen stieg auf rund 23 Millionen Euro.

Arndt erläuterte zudem die zunehmende Bedeutung des hybriden Geschäftsmodells der Sparkasse, das sowohl Filialbesuche als auch Onlinebanking ermöglicht. Rund 60 Prozent der Kundschaft nutze digitale Angebote, etwa 30.000 Kunden wickelten ihre Bankgeschäfte weiterhin ausschließlich vor Ort ab. Vor diesem Hintergrund modernisiert die Sparkasse Schritt für Schritt ihre Filialen. Auch das Thema Sicherheit nahm Arndt auf: Neben präventiven Maßnahmen gegen Betrugsfälle und betrügerische Anlageangebote sei die Sicherheit der Schließfächer durch regelmäßige Prüfungen gewährleistet. Zudem fließe ein Teil der Jahresüberschüsse, rund 800.000 Euro, als Spenden in regionale Vereine und Projekte.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Ministerpräsident Reiner Haseloff, der seinen letzten Neujahrsempfang bei der Sparkasse Wittenberg in seiner Amtszeit bestritt. Mit Charme, Humor und einem Augenzwinkern blickte Haseloff zurück: „Dieser Termin ist für mich immer fest im Kalender verankert – auch, weil ich dabei gleich meine Kontoauszüge hole“, scherzte er. Er lobte die Sparkasse als echtes Vorzeigeinstitut mit fast 300 Millionen Euro Eigenkapital und gratulierte dem Landkreis zur genehmigten Haushaltsplanung. Entscheidend seien nicht allein große politische Debatten, sondern das Leben und der Zusammenhalt vor Ort. Wittenberg sei gut aufgestellt, insbesondere durch Wirtschaftsförderung, Unterstützung von Existenzgründungen und die Nähe zu Berlin. Mit Blick auf den demografischen Wandel warb der Ministerpräsident für familienfreundliche Rahmenbedingungen. Zum Abschied dankte Haseloff für 35 Jahre gemeinsame Entwicklung und machte deutlich, dass er Wittenberg auch nach seinem Rückzug treu bleiben werde.

Abgerundet wurde der Abend durch ein reichhaltiges Catering, das erneut große Begeisterung auslöste. Als besondere Attraktion sorgte diesmal ein Hotdog-Stand für eine ungezwungene Atmosphäre und viele Gespräche abseits des offiziellen Programms.



















