Mittwoch, 28.01.2026
Bild: Corinna Kroll

Oder wie ein leises Wippen zum ekstatischen Schwingen wird

Wittenberg (as) Ausverkauft. Kein Platz ist mehr frei an diesem Freitag. Auch der letzte Stuhl, ein Barhocker, ist besetzt und wird vor den Eingang geschoben, alle Gäste sollen einen guten Blick auf die Bühne haben. Das Publikum, schon jetzt in guter Stimmung, zählt ungeduldig die Gongs, die in regelmäßigen Abständen ertönen und den Beginn der Show einleiten. Dann ist es soweit. Noch bevor es „Herzlich willkommen zu unserem Kinky Summer“ heißt, gibt es tosenden Applaus. Man weiß, auf was man sich eingelassen hat, kennt die Figuren, freut sich auf die nächsten zweieinhalb Stunden voller Unterhaltung der „untersten Schublade, aber doch oberstes Regal“.

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Beim Kinky Summer ist der Name das Programm. Zweideutigkeiten haben hier keinen Platz, nichts wird durch die Blume erzählt, kein Blatt vor dem Mund genommen. Ein Sketch jagt den nächsten, unterbrochen von stimmgewaltigen Darbietungen. Die größten Sommerhits der letzten Jahrzehnte. Jeder Einzelne davon wird beschunkelt und beklatscht. Die Texte sind jedem bekannt und werden lautstark und voller Inbrunst rezitiert. Die, die es nicht schaffen ekstatisch aus sich herauszukommen, wippen, vermeintlich ungesehen, still und leise mit dem Fuß.

Dann geht es weiter. Lachen. Aber Obacht! Lacht man zu viel, zu schrill, zu lautstark, schmunzelt man nur oder lacht gar nicht, ist man buchstäblich Programm – und das den ganzen Abend lang. Aber genau das macht es doch aus, der Zauber, wenn Zuschauer und Künstler miteinander interagieren. Und dann gibt es auch diese Momente, wenn das Publikum es schafft den Künstler, der, der schon alles zu kennen scheint, dem jeder Witz, jeder Zwischenruf schon bekannt sein dürfte, für einen kleinen Moment lang sprachlos zu machen. Er sich erst mal sammeln muss, um dann doch, wie gewohnt schnippisch und mit scharfer Zunge zu erwidern. Frenetischer Applaus. Pause.

Zeit sich zu erholen. Vom Schunkeln, Klatschen, Lachen und leisem Wippen. Sofort geht es los, das Flüstern und Staunen. Die Kostüme, wie prächtig und strahlend sie sind. Die Stimmen, wie klar und einzigartig sie sind. Die Sketche, wie schamlos und spöttisch sie sind.

Das zuvor bestellte Essen wird serviert, Getränke folgen. Auch in der Pause fallen die Künstler nicht aus ihren Rollen, mischen sich unter das Publikum, halten hier einen Plausch, machen dort einen Witz, begrüßen bekannte Gesichter. Wieder ertönen die Gongs. Noch schnell zur Toilette, noch schnell eine Zigarette. Dann geht es weiter.

Der letzte Akt. Mitreißender Applaus. Wieder Schunkeln, Klatschen, Schmunzeln, Lachen. Die, die zuvor leise wippend den Fuß bewegten, sind nun ebenfalls zum ekstatischen Schwingen übergangen. Alle Zuschauer, auch die jenigen auf den Barhockern am Eingang, gestikulieren symbiotisch den Künstlern entgegen. Ein fulminantes Finale. Der letzte Ton erklingt. Immer noch rasender Beifall. Das gefeierte Ensemble dankt seinem treuen Publikum, für die gelungene Vorstellung, für 15 Jahre Clack Theater, für gute Laune in schlechten Zeiten, für all das, was war und all das, was noch kommen wird. Bis Mitte August noch darf man, gemeinsam mit den Künstlern des Clack Theaters, mit den Füßen wippen, in die Hände klatschen und aus tiefstem Herzen lachen.

Bild: Corinna Kroll

Von Redaktion