Mittwoch, 07.01.2026

Wittenberg (md/wg). Der Augsburger Großkaufmann Jakob Fugger, der als reichster Mann seiner Zeit gilt, und der Wittenberger Reformator Martin Luther waren einander in tiefer Abneigung verbunden. Zum 500. Todestag Fuggers am 30. Dezember 1525 widmet sich ein Vortrag der LutherMuseen am Dienstag, dem 13. Januar, dem Verhältnis der Kontrahenten.

Beginn in der Kapelle des Wittenberger Augusteums ist um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Es referiert der Historiker Prof. Dr. Mark Häberlein von der Universität Bamberg. Um Anmeldung im Servicebüro der LutherMuseen per Mail an service@luthermuseen.de oder per Telefon unter 03491/4203 171 wird gebeten.

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Während Fugger die Verbreitung der evangelischen Lehre zu unterbinden versuchte, bezweifelte Luther, dass Kaufleute wie Fugger christlich handelten, und forderte, den großen Handelsgesellschaften „einen Zaum ins Maul zu legen“. Besonders Unterstützung des Ablasshandels durch die Familie Fugger war Luther ein Dorn im Auge. Ausgehend von dieser Auseinandersetzung erläutert der Vortrag das Verhältnis von Glauben und Geld, reformatorischer Lehre und Frühkapitalismus um 1520.

Zum Zeitpunkt des Todes Jakob Fuggers (1459-1525) im Jahr 1525 entsprach das Vermögen der Familie Fugger nach modernen Schätzungen etwa 350 bis 400 Milliarden US-Dollar. Fugger kontrollierte weite Teile des europäischen Kupfer- und Silbermarktes und baute eine weltumspannende Handelsorganisation auf. Er nutzte seinen Reichtum, um massiv auf die europäische Politik Einfluss zu nehmen: Er finanzierte mit einem Kredit von 800.000 Gulden die Bestechungsgelder für die Wahl von Karl V. zum römisch-deutschen König im Jahr 1519 und war maßgeblich an der Finanzierung des Neubaus des Petersdoms in Rom beteiligt. Ab 1514 stiftete er in Augsburg die Fuggerei, die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt. Bedürftige Augsburger können dort noch heute für eine symbolische Jahresmiete von einem Rheinischen Gulden (aktuell 0,88 Euro) wohnen.

Prof. Dr. Mark Häberlein, geboren 1966 in Stillwater/Oklahoma (USA), studierte Neuere Geschichte, Amerikanistik und Politikwissenschaft an der Universität Augsburg und an der Michigan State University in den USA. Er war von 1991-1997 an der Universität Freiburg tätig und wurde dort 2001 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Seit 2004 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Mit Jakob Fugger und seiner Zeit hat er sich u. a. in seiner Habilitationsschrift „Brüder, Freunde und Betrüger. Soziale Beziehungen, Normen und Konflikte in der Augsburger Kaufmannschaft um die Mitte des 16. Jahrhunderts“ im Jahr 1998 befasst. Häberlein hat Vorträge in zahlreichen Ländern gehalten und ist Mitherausgeber mehrerer Publikationen und Buchreihen. Er ist u. a. Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Globalgeschichte (vormals Gesellschaft für Überseegeschichte). Bild: Jakob Fugger der Reiche von Albrecht Dürer (c1520. BSTGS 717)

Von Redaktion

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