Wittenberg (md/wg). In einem Projekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Ökumenischen Akademie Ostthüringen werden „Friedensreiter“ ausgebildet. Ziel ist es, Menschen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und mitten im Wahlkampf zu befähigen, verfeindete Lager miteinander in Kontakt zu bringen sowie zwischen den Lagern agieren zu können. Infos und Anmeldung: https://oek-akademie-gera.de/wir-bilden-friedensreiter-aus/.
Das Symbol der Friedensreiter bezieht sich auf den 30-jährigen Krieg. Zwischen 1643 und 1648 galoppierten Friedensreiter von Osnabrück nach Münster und zurück. Sie brachten Nachrichten über die Verhandlungen und verkehrten zwischen den Lagern. Im evangelischen Osnabrück diskutierten die Gesandten der protestantischen Reichsstände, des Kaisers und der Schweden. Im katholischen Münster verhandelten der Kaiser, die katholischen Reichsstände, Frankreich, Spanien und die Niederlande sowie Vertreter aus der Schweiz.
„Noch laufen bei uns keine Friedensverhandlungen, aber die gesellschaftlichen Lager existieren bereits“, erklärt Petra Schwermann, Dezernentin des Landeskirchenamtes für Bildung und Gemeinde. „Wer in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Zukunft der liberalen Demokratie eingreifen will, muss verfeindete Lager miteinander in Kontakt bringen. Deswegen bilden wir Friedensreiter aus. Es sind Menschen, die Haltungssicherheit und Handlungsklugheit verbinden und zwischen den Lagern wechseln können – ohne abzuwiegeln, ohne Kompromisse bei den Bürgerrechten, ohne Menschenscheu.“
„Unter dem Stichwort Polarisierung wird heute diskutiert, wie weit sich gesellschaftliche Interessensgruppen voneinander entfernt haben. Auf der einen Seite die gesichert rechtsextremen Kräfte auf der anderen Seite das demokratische Spektrum. Die Lager ringen nicht miteinander, sie sprechen nur übereinander und das muss sich ändern“, sagt Akademie-Leiter Dr. Frank Hiddemann.
Die zertifizierte Weiterbildung erfolgt mit drei Wochenendseminaren, wöchentlichen Videokonferenzen und regionalen Treffen zur Projektentwicklung. Die Teilnehmer sollen danach sachlich in streng reglementierten Foren diskutieren können, Kontakte pflegen und Debatten führen, ohne kontroverse Überzeugungen über Sinn und Form der Demokratie auszusparen. Die liturgische Aussendung der Friedensreiter soll am 30. August, dem Sonntag vor der Landtagswahl, durch Landesbischof Friedrich Kramer im Magdeburger Dom erfolgen.

