Wittenberg/Torgau (md/wg). Die Fasten- und Passionszeit vom Aschermittwoch (18. Februar) bis Karsamstag (4. April) wird von vielen Christen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bewusst begangen als eine Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf Ostern. Kirchengemeinden und Einrichtungen bieten dazu Gottesdienste und Andachten, Gesprächskreise, Kreuz- und Pilgerwege sowie Aktionen an. Außerdem werden kirchenmusikalische Werke aufgeführt.
„Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ lautet das Motto der bundesweiten evangelischen Fastenaktion. Die Eröffnung kann im ZDF-Fernsehgottesdienst am 22. Februar um 9 Uhr live aus der St.-Albani-Kirche in Göttingen miterlebt werden. In den Fastenwochen zwischen Aschermittwoch und Ostern lädt „7 Wochen Ohne“ seit 1983 Menschen aller Altersgruppen ein, innezuhalten und den Blick auf den Alltag zu verändern.
„Weit draußen im Weltall soll es einen Planeten geben, der zu einem Drittel aus Diamant besteht, eine Welt aus dem härtesten Stoff, den wir kennen“, wird das diesjährige Motto kommentiert. „Bei uns auf der Erde ist Härte auf andere Weise allgegenwärtig. Sie zeigt sich etwa in Unbarmherzigkeit und Gewalt. Zahllose Menschen erleben sie an Leib und Seele. Wir selbst legen oft eiserne Panzer an, um uns zu schützen. Und verletzen uns damit umso mehr. Wie anders tritt Gott unserer Welt gegenüber. Ungeschützt, mitfühlend. Für die diesjährige Fastenaktion treten wir bewusst aus der Praxis und den Bildern der Härte heraus. Wir fühlen uns ein in den Blick Gottes auf unsere Welt. Wir üben uns in einem mitfühlenden Umgang miteinander. Kein Stoff, und sei er hart wie Diamant, schützt vor den Verletzungen des Lebens. Doch Anteilnahme, ein mitfühlender Blick, ein erlösendes Wort können befreiend sein.“
Auch die Klinik Bosse Wittenberg greift das Thema der bundesweiten Fastenaktion auf und lädt Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Interessierte zu besonderen Angeboten der Krankenhausseelsorge ein. „Unsere Gesellschaft schätzt häufig Stärke, Durchsetzungsfähigkeit und Härte. Die Fastenzeit eröffnet einen anderen Blick: Es geht darum, die eigene Verletzlichkeit wahrzunehmen, Mitgefühl zu entwickeln und achtsam miteinander umzugehen – mit sich selbst und mit anderen“, erklärt Klinikseelsorger Andreas Güthling. Zwischen dem 20. Februar und 3. April 2026 werden wöchentlich verschiedene Aspekte des Themas bedacht: Sehnsucht – Weite – Verletzlichkeit – Mitgefühl – Nachfragen – Sanfte Töne – Furcht und große Freude. Während der siebenwöchigen Fastenzeit lädt die Klinikseelsorge zu den Fastenandachten, jeden Freitag ab dem 20. Februar um 14 Uhr, in die Klinikkapelle ein. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Einen Gottesdienst mit Aschekreuz feiert die Wittenberger Stadtkirchengemeinde am 18. Februar um 18 Uhr im Katharinensaal. Werke von Bach, Mendelssohn, Franck und Reger spielt Ulrich Hirtzbruch im Orgelkonzert zur Passion in der Wittenberger Schlosskirche am 8. März um 17 Uhr. Der Kantatenzyklus „Membra Jesu nostri“ von Buxtehude erklingt am 22. März um 17 Uhr zu einem Passionskonzert in der Schlosskirche zu Torgau.
Für die Passionszeit des Jahres 1680 komponierte Dieterich Buxtehude sein größtes oratorisches Werk. In den sieben kurzen Einzelkantaten werden – nach einem Text des mittelalterlichen Dichters und Mönchs Arnulf von Löwen – die Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz und Gesicht des gekreuzigten Christus allegorisch gedeutet. Nicht nur wegen des Textes, sondern vor allem wegen der zu Herzen gehenden Musik des dänisch-deutschen Komponisten ist diese Musik zur Passionszeit so beliebt in ihrem tröstlichen Klang. Unter Leitung von Christiane Bräutigam musizieren ein Solistenensemble mit Martina und Jonathan Müller-Saretz, Cornelia Gebauer und Moritz Schmidt, die Johann-Walter-Kantorei sowie das Johann-Walter-Ensemble. Foto: Adobe Stock

