Dessau (md/wg). Schon das Neujahrskonzert 2026 der Anhaltischen Philharmonie war Südamerika gewidmet und bot einen Einblick in die belebenden Klangwelten dieser Region. Einen weiteren Höhepunkt aus dieser Region gibt es dann im Rahmen des Kurt Weill Festes am 28. Februar um 17 Uhr mit der europäischen Erstaufführung der brasilianischen Oper „Alma“ in vier Akten von Cláudio Franco de Sá Santoro (1919-1989) in portugiesischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Obwohl Santoro zu den produktivsten Komponisten Brasiliens gehört, hat er nur eine einzige Oper komponiert. Gegen Ende seines Lebens schrieb Santoro die Oper „Alma“, die zugleich Zusammenfassung und Höhepunkt des Kompositionsstils des Brasilianers ist. Die Oper erzählt die Geschichte von Alma, einer jungen Frau aus einer kleinbürgerlichen Familie aus São Paulo. Sie gibt sich der Prostitution hin — aus unerklärlicher Liebe zu dem Gigolo Mauro, der sie als Zuhälter beherrscht und ausbeutet.
Ihr Doppelleben verheimlicht sie vor ihrem Großvater Lucas wie auch vor João do Carmo, einem armen Telegraphisten, der Alma liebt. Als Alma ein Kind von Mauro erwartet, flieht sie vor ihrem Zuhälter und sucht Hilfe bei ihrem Großvater, der sie jedoch fortschickt, um über ihn und sein Haus keine Schande zu bringen. João do Carmo nimmt die verzweifelte Alma auf und hofft, so ihr Herz zu gewinnen. Doch Almas Vergangenheit überschattet die Beziehung und bestimmt das Schicksal des Paares…
Als Grundlage für den Stoff nutzte Santoro den ersten Teil der Trilogie „Die Verdammten“ des Schriftstellers Oswald de Andrade. Dieser Roman ist nicht nur eine Gesellschaftskritik am São Paulo der 1920er Jahre, in dem die wachsende Wirtschaft die Klassenunterschiede verstärkte, er führte außerdem zu einer der bedeutendsten kulturellen Bewegungen in Brasilien, der Woche der „Modernen Kunst“ im Februar 1922.
Gemeinsam mit anderen Künstlern wie Villa-Lobos, Tarsil do Amaral und Mario de Andrade suchte Oswald de Andrade einen Zugang Brasiliens zur Moderne und strebte danach, dem Land einen Platz unter den „gebildeten“ Nationen zu verschaffen. Dies beeinflusste das künstlerische Schaffen im 20. Jahrhundert stark, auch das Schaffen von Santoro, der es auf sehr geschickte Weise vermochte, durch die Gattungen der Neuen Musik sowie der traditionellen brasilianischen Musik zu reisen, was sich deutlich in der packenden und dramatischen Musik seiner Oper „Alma“ zeigt: Ein Meisterwerk des brasilianischen Musiktheaters.
Soiree zur Oper „Alma“
Im Vorfeld zur Premiere von „Alma“ lädt das Anhaltische Theater am 17. Februar um 17.15 Uhr zu einer Soiree ein. Im Foyer des Großen Hauses gibt Dramaturg Yuri Colossale eine Einführung in das Werk und die aktuelle Dessauer Inszenierung. Anschließend geht es zu einem etwa halbstündigen Besuch der Probe auf der großen Bühne. Die Besucher können hier einen direkten Einblick in die Arbeit der Künstler gewinnen und live miterleben, wie Schauspieler, Sänger, Dirigent und Regieteam der szenischen Arbeit den letzten Schliff verleihen. Der Eintritt ist frei. Foto: Archiv

