Wittenberg (md). In dieser Woche konnte im neuen Tageshospiz des Katharina von Bora Hospizes in Wittenberg der erste Gast begrüßt werden: Die 87-jährige Gertrud Conrad fühlte sich schon nach kurzer Zeit wohl. „Wir freuen uns, dass wir den ersten Gast begrüßen durften – und besonders natürlich, dass sich Frau Conrad so wohl bei uns fühlt“, berichtet Annemarie Buttinger, die beide Einrichtungen leitet.
Das Tageshospiz befindet sich über dem Katharina von Bora Hospiz und ist als teilstationäre Einrichtung ein wichtiges Verbindungsglied, das das Zuhause als Lebensort einerseits und die engmaschige Betreuung im Hospiz andererseits ermöglicht. Menschen mit unheilbaren Erkrankungen können so in ihrem Zuhause wohnen bleiben und gleichzeitig werktags von 8 bis 16 Uhr individuelle Versorgungs-, Begleitungs- und Beratungsangebote im Tageshospiz nutzen. Dazu zählen Hilfe bei der Körperpflege, musikalische Angebote, Schmerz- und Symptommanagement, kreative Angebote, Planung von Physiotherapie und Ergotherapie und gemeinsame Mahlzeiten.
Ihre Kinder, Mario Conrad und Petra Schlender, sind für das neue Angebot sehr dankbar: „Unsere Mutter hat ihr ganzes Leben fleißig gearbeitet, war für alle da und pflegte und versorgte bis zum Lebensende ihre Schwiegermutter, ihre Mutter sowie eine ehemalige Mieterin unseres Hauses. Diese Aufopferung bekamen wir täglich mit und deshalb war es für uns selbstverständich dem Wunsch unserer Mutter nachzukommen, ebenfalls im eigenen Haus so lange wie möglich umsorgt zu werden“, sagt Tochter Petra Schlender. Es habe sich schnell herausgestellt, dass es eine riesige Herausforderung war, die Betreuung rund um die Uhr abwechselnd abzusichern, trotz zusätzlicher Unterstützung durch Enkeltochter Catharina.
„Mein Bruder und ich sind in Vollzeit beschäftigt und wohnen in Halle bzw. in Dessau, deshalb kam das Angebot der Tagesunterbringung im Hospiz wie gerufen. Zu wissen, dass unsere Mutti gut betreut und beschäftigt wird, wir unserer Arbeit einigermaßen normal nachgehen können, sorgt innerfamiliär für eine entspannte Stimmung“, betont Schlender. „Es ist uns ein Bedürfnis, diese Unterbringung weiter zu empfehlen. Wir als Angehörige erleben das Tages-Hospiz als eine hoch qualifizierte, mit viel Zuneigung und Herzblut auf die Bedürfnisse schwerkranker Menschen ausgerichtete Einrichtung.“
Morgens um 8 Uhr kommen die Gäste im Tageshospiz an, der Transport wird von der Einrichtung organisiert. Schon bei der Ankunft wird durch die zuständige Bezugspflegekraft ein individueller Tagesablauf erstellt, der die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse berücksichtigt und jederzeit angepasst werden kann. Auch alle Mahlzeiten werden individuell zubereitet und bei Bedarf dargereicht. Die Tage des Besuchs im Tageshospiz sind individuell und nach Bedarf wählbar.
„Kein Tag hier hat einen starren Ablaufplan, denn unser Ziel ist es, auf jeden Gast einzugehen und so ein Stück dazu beizutragen, die Lebensqualität zu verbessern“, erklärt Buttinger. Schon nach kurzer Zeit staunte das Team nicht schlecht: die in Schlesien geborene Wittenbergerin unterhielt sich angeregt mit einer gleichaltrigen Frau, tauschte Erinnerungen aus und blühte regelrecht auf. „Dies ist natürlich auch für die Angehörigen sehr positiv. Sohn und Tochter kümmern sich liebevoll um sie; die Betreuung in unserem Tageshospiz entlastet beide natürlich sehr“, berichtet Carolin Görtz vom Sozialdienst im Tageshospiz.
Sie ist Ansprechpartnerin für Angehörige und Interessierte und berät gern zum neuen Angebot. Alle Informationen sind auf der Homepage des Katharina von Bora Hospizes unter www.jsd.de/bora-hospiz zu finden. Die Kosten für die Betreuung im Tageshospiz werden von den Krankenkassen übernommen sowie mit Spendengeldern finanziert.
Bild: Gertrud Conrad im Gespräch mit der Hospizleiterin Annemarie Buttinger. Foto: Janet Pötzsch

