Zahna (cs). „Auf eine Currywurst mit Gregor Gysi“- diese Einladung nahmen am Samstag, dem 28. März, weit mehr als 200 Zahnaer und Interessierte aus dem gesamten Stadtgebiet gerne an. Der Rathaussaal war bis zum letzten Platz besetzt, die Erwartungen des Publikums dementsprechend hoch. Und sie wurden nicht enttäuscht. Das eingespielte Duo, Dr. Gregor Gysi und Hans-Dieter Schütt, Letzterer begleitet den 78jährigen seit vielen Jahren auf seinen Lesereisen, warfen sich gekonnt die Worte zu und so war es keine Buchlesung im klassischen Sinne, sondern eher eine Plauderei aus dem Leben Gysis und was er sonst noch so zu sagen hat. Und das war eine ganze Menge. In zweimal 45 Minuten galoppierten beide von Thema zu Thema, nicht stringent, sondern was ihnen an diesem Abend wichtig erschien. Der junge Anwalt ohne Mandanten spielte ebenso eine Rolle, wie die beidseitige Wertschätzung trotz unterschiedlicher Weltanschauung zwischen Schorlemmer und Gysi. Wer ahnte schon, dass in Gysis ein klein bisschen bayrisches Blut fließt und dass die Hühnerschenkel von heute auf seine Vorfahren zurückgehen. Gysi wäre aber nicht Gysi, wenn er sich nicht auch zur Fragilität in der Welt, der aktuellen Politik im Land und der „Performance“ der Parteien äußern würde. Dabei bekamen alle ihr Fett weg, auch seine eigene. In der Pause konnte das Publikum Bücher signieren lassen, wovon zahlreich Gebrauch gemacht wurde, darunter auch eingangs erwähntes „Auf eine Currywurst…“.





Gysi gab aber nur den Abschluss der ersten Zahnaer Lesenacht. Zuvor hatte Wolfgang Ladewig aus seinem Buch „Die Abenteuer der Eichhörnchen Pinki und Panki“ in der Turnhalle an der Grundschule gelesen, Pfarrerin Juliane Kölling gab in der Kirche Sankt-Marien Texte aus Jahrhunderten und Stadtgeschichte wieder, im Kindergarten hieß es: „Schlaf gut kleine Fledermaus“, Moderatorin und Autorin Peggy Patzschke las aus ihrem Roman „Bis ans Meer“.
Die erste Zahnaer Lesenacht war eingebettet in die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum. Bereits im Februar wurde mit einem glanzvollen Abend in dieses besondere Jahr gestartet und der Verleihung des Stadtrechts durch die Brüder Erhard und Heinrich von Wederden vor 700 Jahren gedacht. Die Lesenacht war ein weiterer Höhepunkt im Festkalender, wobei die eine oder andere Lesung ein bisschen mehr Publikum verdient hätte. Vom 5. bis 7. Juni findet dann das große Festwochenende statt. Zum Programm mit Festumzug, Mittelaltermarkt und großer SAW-Party berichtet das „Mittendrin“ ausführlich in der Mai-Ausgabe.
Fotos: Cordula Specht

