Dessau (md/wg). Die Melanchthonkirche in Dessau wird am Sonntag, dem 1. März 2026, um 14 Uhr zur Spielstätte des diesjährigen Kurt Weill Festes. In der Kirche ist der Leipziger Synagogalchor unter der musikalischen Leitung von Philipp Goldmann zu Gast, die Solisten sind Anja Pöche (Sopran), Falk Hoffmann (Tenor), Ulrich Vogel (Orgel). Zu hören sein wird jüdische Chormusik verschiedener Epochen, unter anderem von Herman Berlinski, Alek Volkovisky, Werner Sander und natürlich von Kurt Weill.
Wie Kurt Weill, Heinrich Schalit und Wilhelm Rettich ging auch der Leipziger Musiker Herman Berlinski 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Berufsverbot für jüdische Musiker ins Exil. In New York wurde er Organist an einer der größten Reformsynagogen. Hier konnte er sein kompositorisches Talent entfalten, und hier schuf er auch das Chorwerk „Avodat Shabbat“, das Leonard Bernstein begeisterte.
Alek Volkovisky wurde mit seiner Familie in das Ghetto von Wilna deportiert. 1943, mit elf Jahren, komponierte er hier das Lied „Shtiler shtile“ zu den Worten von Shmerke Kaczerginski. Es handelt von den Massenmorden von Ponary und wurde zu einem Symbol der Schoah. Der Breslauer Musikpädagoge Werner Sander emigrierte als deutscher Jude und Überlebender der Schoah im Herbst 1945 aus Polen nach Thüringen. Sein folgender Ortswechsel nach Leipzig hat musikalische Spuren hinterlassen: Als Oberkantor der jüdischen Gemeinde gründete er 1962 den Leipziger Synagogalchor, für den er zahlreiche Arrangements jiddischer und hebräischer Lieder verfasste.
Der Leipziger Synagogalchor widmet sich ausschließlich jüdischer Chormusik von synagogalen Kompositionen des 17. bis 20. Jahrhunderts bis hin zu jiddischen und hebräischen Liedern in speziellen Arrangements. Der Chor arbeitet mit namhaften Solisten und Musikern zusammen. Er ist Träger des Obermayer German Jewish History Awards. Die letzte Auslandsreise führte im Juli 2025 nach Paris zum European Festival of Jewish Choirs. Der Chor wird vom Kulturamt der Stadt Leipzig institutionell gefördert. Foto: Veranstalter


