Wittenberg (md). Nach den beiden Coronajahren 2020 und 2021 haben sich die Besucherzahlen der LutherMuseen in 2022 fast wieder dem Stand von 2019 angenähert: Insgesamt begrüßten die fünf Museen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld rund 105.000 Gäste (2019: 118.000). Im Vergleich zu 2021 (51.500) haben sie sich mehr als verdoppelt. Zugpferde bleiben die Wittenberger Häuser mit insgesamt 79.000 Besucherinnen und Besuchern, die Häuser in Eisleben und Mansfeld freuen sich über 26.000 Gäste.
Die Kulturelle Bildung der LutherMuseen kann mit 2022 ihr erfolgreichstes Jahr feiern: Insgesamt besuchten circa 13.300 Kinder und Jugendliche die Angebote der Museumspädagogik – so viele wie nie zuvor in der 25-jährigen Geschichte der LutherMuseen. Großen Anteil daran haben die beiden Mitmachausstellungen „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben und „Tatort 1522 – Das Escapespiel zur Lutherbibel“ in Wittenberg. Beide Formate richten sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler und beschäftigen sich anlässlich des 500. Jubiläums von Martin Luthers Bibelübersetzung mit den Themen Sprache, Übersetzung, Medien und Druck.
Nach wie vor ist der Anteil der ausländischen Gäste geringer als noch vor der Pandemie. Bedingt durch die Passionsspiele in Oberammergau konnten die LutherMuseen aber wieder zahlreiche US-Amerikaner begrüßen. Vorrangig kamen jedoch wie in den Vorjahren vor allem Individualtouristen und Familien, die ihren Urlaub in Deutschland verbrachten.
Zu den Ausstellungshöhepunkten in 2022 zählte die bis Februar laufende Sonderausstellung „Pest. Eine Seuche verändert die Welt“ im Augusteum in Wittenberg, die in den letzten beiden Monaten noch fast 3.000 Besucher sahen. Ende Juni eröffnete die Mitmachausstellung „Tatort 1522 – Das Escapespiel zur Lutherbibel“ im Augusteum, in der die Besucher spielerisch auf die Suche der verschwundenen Lutherbibel gehen und sich aus fünf Escape-Räumen durch das Finden und Lösen von Rätseln befreien müssen. Bis Jahresende haben hier etwa 190 Gruppen ihren Spürsinn getestet, davon circa 70 Schulklassen. Sie ist noch bis 9. Juli 2023 zu erleben.
Auch die Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Luthers Sterbehaus in Eisleben erfreut sich großer Beliebtheit, vor allem bei Kindern, Jugendlichen, Familien und Schulklassen. Sie lädt ein, Sprache spielerisch, experimentell und interaktiv zu erkunden und ermuntert dazu, sich mit Sprache, ihrer Wirkung und Entwicklung, ihrem Einsatz und ihrer Veränderung auseinanderzusetzen. Aufgrund ihres Erfolges haben die LutherMuseen sie bis zum 20. August 2023 verlängert.
Das Lutherhaus schließt
In 2023 stehen für die LutherMuseen zwei Großprojekte an: Zum einen schließt das Lutherhaus in Wittenberg ab dem 1. November und wird einerseits energetisch saniert, andererseits wird eine neue Dauerausstellung umgesetzt. Voraussichtlich wird es im Mai 2025 wiedereröffnen. Als Alternativangebot wird am 1. Dezember 2023 die Sonderausstellung „Buchstäblich Luther. Der Reformator von A bis Z“ im Augusteum eröffnen, in der die Highlightobjekte des Lutherhauses zu sehen sein werden.
Die Ausstellung widmet sich ganz der Person Martin Luthers. Als Reformator bewegte er die Welt, aber was hat ihn bewegt? Was trieb ihn dazu, der kirchlichen und weltlichen Macht die Stirn zu bieten und sein Leben für den Glauben zu riskieren? Wie schaffte er es, seine persönlichen Überzeugungen zu einer Botschaft zu machen, die die Menschen innerhalb von kürzester Zeit in ganz Europa erreichte? Und wie passen seine verstörenden Hetzschriften gegen Juden, Türken und den Papst in dieses Bild?
Ein genauer Blick auf die Zeugnisse und Spuren, die der Wittenberger Reformator hinterlassen hat, offenbart sehr unterschiedliche, zum Teil auch widersprüchliche Seiten des Menschen Martin Luther. Die Schau präsentiert diese verschiedenen Seiten des Reformators anhand von 26 Begriffen, die jeweils für einen Buchstaben des Alphabets stehen. Diese Begriffe umschreiben Luthers Welt von A wie Askese (Luther als Mönch) bis Z wie Zuhause (Luthers Hausgemeinschaft im ehemaligen Schwarzen Kloster, das zu Luthers Haus wurde).
Zum anderen laufen die Vorbereitungen für das große Bauernkriegsjubiläum in den Jahren 2024/2025, aus dessen Anlass die LutherMuseen in Eisleben und Mansfeld eine Sonderausstellung im Mitmachformat zeigen werden. Sie fordert ihre Besucher auf, sich mit dem Thema „Gerechtigkeit“ in der Vergangenheit, aber auch als aktuelle Herausforderung auseinanderzusetzen.
Bild: Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff besuchte die Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Luthers Sterbehaus in Eisleben. Foto: Wolfgang Gorsboth

