Wittenberg (aw). Beim Pressegespräch zum 16. Wittenberger Selbsthilfe-Forum machte Bürgermeister André Seidig deutlich, warum die Veranstaltung für die Stadt so wichtig ist. „Selbsthilfe ist kein Randthema“, sagte er. „Hier entstehen Begegnungen, die Mut machen und Wege zeigen.“ Das passt auch zum Motto des diesjährigen Forums: „Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.“
Am 21. März von 13 bis 17 Uhr öffnet das Stadthaus seine Türen für Besucher aus der ganzen Region. Rund 70 Selbsthilfegruppen gibt es im Landkreis Wittenberg, über 30 davon stellen sich beim Forum vor. Viele Menschen nutzten die Veranstaltung, um Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und neue Unterstützung zu finden, so der Bürgermeister.
Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Diabetes – eine Erkrankung, die viele Familien betrifft und den Alltag prägt. Petra Trollius von der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen erklärte, warum das Thema gewählt wurde: „Diabetes ist längst eine Volkskrankheit. Viele Menschen haben täglich damit zu tun – mit Messungen, Medikamenten und der Organisation des Tages.“ Das Forum wolle zeigen, wie Betroffene damit umgehen können und welche Hilfe es vor Ort gibt.
Herzstück der Veranstaltung ist ein Diabetes-Gesundheits-Parcours mit rund 20 Stationen. Dort informieren Fachleute und lokale Anbieter über Ursachen, Behandlung und den Umgang mit der Krankheit im Alltag. Besucher können Blutzucker messen, Geräte mitbringen und sich beraten lassen. Besonders wichtig sei ihr, so Trollius, dass auch Familien mit Kindern angesprochen werden. „Wir möchten zeigen, dass niemand ausgegrenzt werden muss – auch Kinder mit Diabetes sollen sich sicher und gut begleitet fühlen.“
Neben Informationen und Gesprächen gibt es rund um das Forum auch viele Aktionen, die Begegnung erleichtern. Besucher können sich etwa beim Tischtennis ausprobieren, an verschiedenen Mitmachangeboten teilnehmen oder an der 0-Promille-Cocktailbar alkoholfreie Drinks genießen. Auch ein Holzbackofen ist vor Ort, an dem gemeinsam gebacken wird – ein Ort für Gespräche ganz nebenbei.
Wie wichtig der persönliche Austausch ist, betonte auch Dieter Schollbach, stellvertretender Sprecher der Selbsthilfegruppen im Landkreis. Er betreut unter anderem Gruppen von Frauen nach einer Krebserkrankung und eine neue Gruppe für Männer mit Prostata-Diagnose. „Verschwiegenheit ist bei uns das oberste Gebot“, sagte er. Viele Betroffene trauten sich zunächst nicht, über ihre Erfahrungen zu sprechen. „Aber wenn sie merken, dass andere ähnliche Situationen kennen, dann entsteht Vertrauen. Und genau das hilft.“
Ein Blick auf die Vielzahl der Gruppen im Landkreis zeigt, wie breit das Angebot ist: Von Parkinson- und Multiple-Sklerose-Gruppen über Angebote für Menschen mit Depressionen, Schlaganfall oder Long-/Post-Covid bis hin zu Gruppen für pflegende Angehörige oder Eltern von Kindern mit Erkrankungen.
Das Selbsthilfe-Forum soll deshalb nicht nur informieren, sondern auch zeigen, dass Unterstützung ganz nah ist. Oder, wie es Petra Trollius zusammenfasste: „Wer etwas will, findet Wege – und hier können viele Menschen genau solche Wege entdecken.“
Foto: Antje Weiß
(v.l.) André Seidig, Dieter Schollbach und Petra Trollius

