Montag, 19.01.2026

Region (md/aw). Rückenschmerzen sind in Deutschland allgegenwärtig – und besonders in Sachsen-Anhalt ein großes Problem. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet hier unter chronischen Rückenbeschwerden, Frauen deutlich häufiger als Männer. Um dieser Volkskrankheit frühzeitig und wirksam zu begegnen, haben die AOK Sachsen-Anhalt und das Klinikum Magdeburg ein neues, ganzheitliches Versorgungsprogramm für Menschen mit langanhaltenden Rückenschmerzen gestartet.

„Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt und belasten Betroffene körperlich wie seelisch“, sagt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege bei der AOK Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit dem Klinikum Magdeburg setzt die Krankenkasse deshalb auf ein modernes Behandlungskonzept, das nicht auf schnelle Eingriffe, sondern auf nachhaltige Hilfe zielt. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und Rückenoperationen möglichst zu vermeiden.

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Herzstück des Programms ist ein neu eingerichtetes Rückenzentrum am Klinikstandort Magdeburg-Olvenstedt. Rund 600.000 Euro investierte das Klinikum in moderne Therapieräume. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Schmerztherapeuten arbeitet dort Hand in Hand – mit dem klaren Fokus auf Aktivierung und Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten.

Wie wirksam dieser Ansatz sein kann, zeigt das Beispiel von Reinhard Pecher. Der 64-jährige selbstständige Fliesenleger arbeitet seit fast 50 Jahren auf Baustellen – und ist damit ein „klassischer Kandidat“ für Rückenprobleme. Zwei Bandscheibenvorfälle, ein eingeklemmter Nerv und ein verletzter Wirbel prägen seine Krankenakte. Seit 30 Jahren hat er Schmerzen, zuletzt war er drei Monate krankgeschrieben. Dennoch nimmt er die tägliche Fahrt von Thale nach Magdeburg gern in Kauf. „Gesundheit geht vor“, sagt Pecher. Die ersten Tage seien hart gewesen, doch schon nach zwei Wochen spürt er Fortschritte: „Das Aufstehen fällt mir leichter. Ich fühle mich wohler.“

Auch Krankenschwester Uta Napiontek zieht ein positives Fazit. Sie leidet unter einer angeborenen Skoliose und ist beruflich stark körperlich belastet. „Das ist die erste Therapie, die mir wirklich geholfen hat“, sagt sie. Anders als bei früheren Reha-Maßnahmen stehe hier der einzelne Mensch im Mittelpunkt. „Es wurde intensiv auf mich eingegangen.“

Für Elisabeth Röhrmann, Fachärztin für Orthopädie und Leiterin des Rückenzentrums, ist genau das der Schlüssel zum Erfolg. „Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten zu aktivieren.“ Ob Krankengymnastik, Alltagstraining, manuelle Therapie, Entspannungsübungen oder Tanztherapie – alle ziehen engagiert mit. Ergänzend lernen die Teilnehmenden, wie chronischer Schmerz entsteht und was sie selbst tun können, um Beschwerden langfristig zu vermeiden.

Das Programm richtet sich an volljährige Versicherte der AOK Sachsen-Anhalt mit erhöhtem Risiko für eine Rückenoperation oder langanhaltender Arbeitsunfähigkeit. Die Kosten übernimmt die AOK. Ziel ist es, chronische Verläufe zu verhindern, Operationen möglichst zu vermeiden – und vielen Menschen ein aktiveres, schmerzärmeres Leben zu ermöglichen.

Foto: AOK

Von Redaktion