Wittenberg (md/wg). In der Karwoche von Palmsonntag bis Karsamstag (29. März bis 4. April) bereiten sich die Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) auf das Osterfest vor. Traditionell werden große kirchenmusikalische Werke aufgeführt wie die Passions-Oratorien von Johann Sebastian Bach. Neben Konzerten finden Passionsandachten, Passionsspiele und Kantatengottesdienste statt, es wird zum Tischabendmahl sowie zu Fasten- und Stille-Kursen, Kreuzwegen und zu Wanderungen zum Schöpfen des Osterwassers eingeladen.
Eine Übersicht über Gottesdienste und Andachten in der Karwoche und zum Osterfest gibt es im Internet unter www.ostergottesdienste.de. Am Karfreitag wird auf MDR Kultur aus dem Augustinerkloster Erfurt ein Radiogottesdienst mit Landesbischof Friedrich Kramer, Pfarrerin Ulrike Kaffka, Schülern des Evangelischen Ratsgymnasiums, Kantor Samuel Huhn, Augustiner-Kantorei und Andreas-Kammerorchester übertragen.
Am Gründonnerstag (2. April, 19.30 Uhr) gibt es in der Lutherstadt Wittenberg die besondere Tradition der Ölbergwache. Sie beginnt 19.30 Uhr in der Fronleichnamskapelle – bis 21 Uhr gibt es dort die Möglichkeit zum stillen Verweilen, egal ob nur für einen Moment oder die ganze Zeit. Alle halbe Stunde unterbricht ein Gesang aus Taizé die Stille und lädt neu ein, sich auf das Bleiben und Wachen einzulassen. Ab 21 Uhr bis Mitternacht wird diese alte Tradition in der Katholischen Kirche in der Mauerstraße 14 fortgesetzt.
In der Stadtkirche St. Marien bringen am Karfreitag um 15 Uhr die Wittenberger Kantorei und die Anhaltische Philharmonie Dessau das Oratorium „Der Tod Jesu“ von Carl Heinrich Graun zur Aufführung. Der 1704 bei Bad Liebenwerda geborene Komponist ist heute kaum mehr bekannt, doch zu seiner Zeit war er ähnlich berühmt wie Haydn und Mozart, war erster Kapellmeister Friedrichs des Großen und ist der Gründer der heutigen Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Sein 1755 uraufgeführtes Oratorium „Der Tod Jesu“ wurde in Berlin und an vielen Orten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein aufgeführt. Klanglich erinnert das Werk sowohl an die Barockmusik eines Johann Sebastian Bach als auch an die Wiener Klassik.
Gottesdienst in der Osterkirche Trüben
In der „Osterkirche“ in Trüben bei Zerbst (siehe Foto) findet am Ostermontag, dem 6. April, um 8 Uhr ein Ostergottesdienst mit dem Posaunenchor Zerbst statt. Der Gottesdienst wird an mehreren Stationen der Osterkirche gefeiert. Die Osterkirche gehört zu den Themenkirchen der Weinberggemeinde Garitz und widmet sich mit mehreren Stationen dem Passions- und Ostergeschehen. Der MDR hat mit Konfirmanden in der Osterkirche Trüben im Vorfeld einen Fernsehbeitrag gedreht. Dieser wird am Sonnabend, dem 4. April, ab 19 Uhr in der Sendung „Sachsen-Anhalt heute“ zu sehen sein.
Hintergrund:
Die Karwoche wird auch „heilige Woche“ oder „stille Woche“ genannt. Das Wort kommt vom altdeutschen „kara“ – wehklagen. Die Woche vor Ostern ist der Höhepunkt der Passionszeit, der Leidenszeit Christi, und beginnt mit dem Palmsonntag, der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Beim Gründonnerstag meint „Grün“ nicht die Farbe, sondern wird von „gronan“ (greien, weinen) abgeleitet. Der Tag vor Karfreitag erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feiert. Anschließend zieht sich Jesus in den Garten Gethsemane zurück und betet. Dort wird er in der Nacht von den Römern gefangen genommen, weil ihn sein Jünger Judas verraten hat. Am Karfreitag als einem der höchsten Feiertage der evangelischen Christen wurde Christus auf dem Berg Golgatha gekreuzigt. Am Mittag verfinsterte sich laut Bibel die Sonne bis zur neunten Stunde, also gegen 15 Uhr. Foto: W. Gorsboth

