Wittenberg (md). Ende November 2022 hat das Statistische Landesamt über die im letzten Schuljahr erreichten Schulabschlüsse informiert und Zahlen zur Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr geliefert. Zu der Bilanz erklärt der Wittenberger Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecher der Linken Thomas Lippmann: „Dass die Rechnung für die Schulkrise kommen wird, war klar, und sie ist bitter! Bitter vor allem für die Jugendlichen, die erneut zu Tausenden die allgemeinbildenden Schulen ohne einen regulären Abschluss verlassen oder ihr Abschlussziel nicht erreichen konnten.“
Allein 2.070 Jugendliche müssten nun versuchen, ihren Weg ins Leben und in den Beruf ohne Schulabschluss und damit ohne ausreichende, schulische Qualifikation zu suchen. Wenn fast jeder achte Jugendliche (11,6 Prozent) ohne Abschluss bleibe und zusammen mit dem Anteil an Hauptschulabschlüssen (10,7 Prozent) mehr als jeder fünfte Jugendliche nicht die mittlere Reife schaffe, dann verfestige sich der letzte Platz, den Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich der Schulabschlüsse schon seit Jahren einnimmt.
Nirgendwo anders seien die Aussichten auf gute Schulbildung so schlecht wie in Sachsen-Anhalt. Und die aktuellen Zahlen zur Lehrkräfteversorgung und zur Lehramtsausbildung ließen für die Zukunft noch weitaus Schlimmeres befürchten. „Die Bilanz ist bitter für das Land, denn alle Jugendlichen, die unsere Schulen verlassen, werden händeringend als Fachkräfte gesucht“, sagt Lippmann. „Doch ohne die erforderlichen Kompetenzen bei den Bewerberinnen und Bewerbern werden viele Lehrstellen unbesetzt bleiben und vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie das Handwerk weiterhin das Nachsehen bei der Suche nach dem dringend benötigten Nachwuchs haben.“
Für Großinvestitionen wie für den Aufbau der Chipfabrik von Intel werde ein deutlich besseres Bildungsangebot in den Schulen gebraucht, als es Sachsen-Anhalt noch für viele Jahre bieten könne. „Was jetzt mindestens getan werden muss, um dem unaufhaltsamen Niedergang etwas entgegenzusetzen, steht im ‚Masterplan zur Sicherung der Schulbildung’, der ab dem kommenden Jahr in vier thematischen Blöcken im Bildungsausschuss beraten werden soll“, betont Lippmann.
In dem Masterplan der Fraktion der Linken heißt es unter anderem: „Durch den Lehrkräftemangel und die damit verbundene stetige Reduzierung der Bildungsangebote werden die individuellen Perspektiven und Karrieremöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler ebenso gefährdet, wie die gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes insgesamt.“
Besonders kritisiert wird die wachsende Differenz im Unterrichtsangebot zwischen den Schulen der Sekundarstufe I (Sekundar-, Gemeinschafts- und Förderschulen) auf der einen Seite und den Schulen der Sekundarstufe II (Gymnasien und Gesamtschulen) auf der anderen Seite. Diese seien in hohem Maße besorgniserregend. Der Rückgang des Bildungsangebotes an den Schulen der Sekundarstufe I müsse dringend gestoppt und der Rückstand zu den Schulen der Sekundarstufe II wieder aufgeholt werden. „Eine Verfestigung der Disparität zwischen der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II birgt großen sozialen Sprengstoff“, heißt es weiter.
Die bisher von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen seien nicht ausreichend, um dem sinkenden Bildungsangebot an den Schulen der Sekundarstufe I wirksam entgegenzuwirken Insbesondere müssten die Planungen für die Lehrausbildung und den künftigen Personaleinsatz, die bisher von sinkenden Schülerzahlen ausgingen, grundlegend korrigiert werden.
Neben kurzfristig wirkenden Maßnahmen der Personalgewinnung komme es für eine mittel- und langfristig wirkende Problemlösung darauf an, die Fehler in der Lehramtsausbildung an den beiden Universitäten des Landes zu korrigieren. Das betreffe insbesondere die Wiederaufnahme der Lehramtsausbildung an der Universität Magdeburg, die bessere Fächersteuerung, die den prognostizierten Bedarf nicht länger ignorierte und die deutlich stärkere Ausrichtung der fachwissenschaftlichen Ausbildung im Lehramtsstudium am Studienziel. Es müsse gelingen, die viel zu geringe Studienerfolgsquote im Lehramtsstudium vor allem an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schnellstmöglich zu steigern.
Bild: Thomas Lippmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und bildungspolitische Sprecher der Linken, vor seinem Walkreisbüro in Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

