Wörlitz (md/wg). Mit der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (KsDW) schließt sich eine bedeutende Stiftung, die weite Teile des berühmten Gartenreichs Dessau-Wörlitz betreut, dem Angebot „Bei Anruf Kultur“ an. Ziel dabei ist es, Menschen unabhängig von einer Behinderung, ihrem Wohnort oder ihrer Mobilität den Zugang zu Kultur per Telefon zu ermöglichen. Die Stiftung, die als Kultur- und Museumseinrichtung von internationalem Rang gilt, öffnet sich damit für neue Zielgruppen. Eine Anmeldung zu den Telefonführungen ist erforderlich, die Teilnahme kostenfrei.
Mit der Teilnahme an „Bei Anruf Kultur“ richtet sich die KsDW an Menschen, denen eine Teilhabe vor Ort bisher nicht ohne weiteres möglich war, beispielsweise auf Grund einer Seheinschränkung, fehlender Mobilität oder finanzieller Hürden. Auch wer sich in Gruppen unwohl fühlt, erhält nun per Telefon eine niederschwellige Zugangsmöglichkeit.Die ersten telefonischen Führungen waren umgehend ausgebucht, Folgetermine stehen nun fest und sind buchbar, so zum Beispiel am 2. oder 31. März oder am 8. April. Dabei nehmen die Guides die Teilnehmer am Telefon mit auf Rundgänge durch die Schlösser Oranienbaum und Wörlitz oder geben einen Einblick in die Gemäldegalerie Dessau.
Die Teilnahme an „Bei Anruf Kultur“ ist eine Selbstverständlichkeit, die auch im Bildungskonzept der KsDW verankert ist: „Inklusion und Diversität bedeuten für uns, Vermittlungsprogramme künftig so zu gestalten, dass möglichst Jede und Jeder teilnehmen kann“, erläutert Nicole Boß von der Stabsstelle Kommunikation und Service der KsDW.
Auch die Anhaltische Gemäldegalerie beteiligt sich an dem Angebot bei „Anruf Kultur“: Am 2. März geht es von 16.30 bis 17.30 Uhr um das Thema „Sammlungsgeschichten – wie kam die Kunst in die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau?“ Die Kunstvermittlerin Sophia Wiest und die Kunsthistorikerin Josefine Czegka betrachten unterschiedliche Werke der Sonderausstellung „Sammlungs(ge)schichten“ in der Orangerie am Schloss Georgium und erzählen, auf welchen unterschiedlichen Wegen die Gemälde und Grafiken in das Museum kamen.
Sie sprechen über ausgewählte Beispiele aus den fürstlichen Sammlungen, die zur Gründung der Gemäldegalerie nach Dessau kamen und Josefine Czegka berichtet über Werke, deren Herkunftsgeschichten sie derzeit erforscht. Ihre aktuellen Untersuchungen konzentrieren sich auf Gemälde, die während des Nationalsozialismus angekauft wurden und sie beleuchtet, welche späteren Erwerbungen mit dieser Zeitgeschichte verknüpft sind.
Für alle Angebote ist die Anmeldung über www.beianrufkultur.de oder telefonisch unter 040/209 404 36 möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Nach Erhalt der Zugangsdaten wählen sich die Teilnehmer am Veranstaltungstag bequem von zu Hause ein. Die einstündige Führung wird technisch von einer moderierenden Person begleitet, während die Kulturvermittlung live durch die Ausstellung führt. Während der Führung ist die Sprechfunktion deaktiviert, für Fragen und Austausch werden die Leitungen zwischendurch geöffnet. Weitere Informationen und Termine unter www.beianrufkultur.de.
Hintergrund
„Bei Anruf Kultur“ entstand 2021. Im Corona-Lockdown starteten der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) und Grauwert, Büro für Inklusion & demografiefeste Lösungen, gemeinsam mit einigen Museen in Hamburg das Projekt. Mittlerweile ist es ein überregionales Angebot, das verschiedenste kulturelle Inhalte von über 130 Kultureinrichtungen bundesweit vermittelt.
Unterstützt wird das Projekt bis Ende 2026 durch die Aktion Mensch, die Behörde für Kultur und Medien Hamburg sowie die DFB-Kulturstiftung. Trotz dieser Förderung besteht aktuell eine Finanzierungslücke, die die Fortführung des Angebots gefährdet. Um „Bei Anruf Kultur“ auch über den Förderzeitraum hinaus zu sichern, werden zusätzliche Mittel und neue Förderpartnerschaften gesucht.
Bild: Das Schloss Wörlitz im Winter. Foto: W. Gorsboth

