Freitag, 13.02.2026

Wittenberg (md/wg). Der Beginn des Bezugs einer Altersrente oder Pension ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit dem Ende der Erwerbsarbeit. Im Agenturbezirk Sachsen-Anhalt Ost arbeiteten im vergangenen Jahr 5.021 Frauen und Männer über der Regelaltersgrenze in einer sozialversicherungspflichtigen oder geringfügigen Beschäftigung. Das entspricht einem Anteil von 3,5 Prozent an allen Beschäftigten im Agenturbezirk (zum Vergleich: Anteil in Deutschland: 3,8 Prozent; Anteil Ostdeutschland: 3,4 Prozent). Die Anzahl der arbeitenden Rentner hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht, im Jahr 2015 waren lediglich 2.855 Alternsrentner beschäftigt.

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 2.789 Männer einer Beschäftigung im Rentenalter nachgegangen, davon waren 1.984 als Minijobber tätig (71 Prozent). Vorwiegend arbeiteten die Männer in den Bereichen der Fahrzeugführung im Straßenverkehr, der Lagerwirtschafts- und Zustelldienste sowie in der Geschäftsführung. Insgesamt 2.232 Frauen sind im vergangenen Jahr einer Beschäftigung im Rentenalter nachgegangen, davon waren 1.729 als Minijobberin tätig (77,5 Prozent). Vorwiegend arbeiteten die Frauen im Büro und Sekretariat, in der Reinigung sowie im Bereich der Erziehung und Sozialarbeit.

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Gründe für die Erwerbstätigkeit im Ruhestand

Die Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf der Grundlage repräsentativer Befragungsdaten kommt zu dem Schluss, dass Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute wesentlich stärker verbreitet ist als noch vor 30 Jahren. Als Grund für die Erwerbstätigkeit gaben die Befragten überwiegend soziale und persönliche Motive an, also Freude an der Arbeit oder der Wunsch, weiterhin eine sinnvolle Aufgabe zu haben.

Erwerbsarbeit dient jedoch auch dazu, das verfügbare Einkommen im Ruhestand zu erhöhen. Mehr als zwei Fünftel der Befragten Rentenbeziehenden vor allem bei geringfügig entlohnten Beschäftigten gaben an, aus finanziellen Gründen im Ruhestand weiterzuarbeiten. Unter den nicht erwerbstätigen Rentnern sieht gut ein Fünftel den Grund ihrer Nichterwerbstätigkeit im fehlenden Angebot passender Stellen.

Mit dem Ruhestandsübergang der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge werden zukünftig in absoluten Zahlen mehr Personen im Ruhestand einer Erwerbstätigkeit nachgehen. „Auf dem Arbeitsmarkt bieten sich inzwischen viele Chancen, besonders im Kontext des Fachkräftemangels“, erklärt Olaf Ruch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt Ost. Immer mehr Unternehmen schätzten ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, da sie mit umfangreicher Erfahrung und Fachwissen punkten könnten.

Viele seien zudem noch agil, leistungsfähig und zeichneten sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus. Es sei zu beobachten, dass immer mehr Betriebe Menschen im Rentenalter einstellen, oft auf geringfügiger Basis, aber auch sozialversicherungspflichtig. „Ein vollständiger Ausstieg aus dem Arbeitsleben kommt für sie häufig nicht infrage“, sagt Ruch, „vielmehr ist es ihnen wichtig, weiterhin berufliche soziale Kontakte zu pflegen und eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben.“ Viele wollten in Teilzeit arbeiten, um genügend Freiraum für private Interessen und Erholung zu haben.

Von Redaktion

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