Dienstag, 17.03.2026

Prag/Magdeburg/Wittenberg (md/wg). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze hat im Rahmen seiner eintägigen Delegationsreise nach Prag die Geschäftsführung des tschechischen Industriekonzerns Agrofert getroffen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die aktuelle Situation der Chemieindustrie in Europa, die Zukunft des Standorts Wittenberg mit der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH sowie die Zusage weiterer Investitionen in den Standort.

Im Ergebnis des Gesprächs bestätigte der Agrofert-Konzern gegenüber dem Ministerpräsidenten umfassende Investitionspläne am Standort Wittenberg. Für das Jahr 2026 sind Investitionen von rund 50 Millionen Euro in Projekte der SKW vorgesehen. Darüber hinaus plant der zum Konzern gehörende Backwarenhersteller Lieken Investitionen von rund 70 Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten am Standort Lutherstadt Wittenberg.

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Ministerpräsident Schulze betonte im Gespräch die Bedeutung der Grundstoffchemie für Sachsen-Anhalt und warb für Vertrauen in den Industriestandort: „Die Chemieindustrie ist Rückgrat unserer Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Unternehmen wie die SKW Stickstoffwerke Piesteritz sichern Wertschöpfung, Innovation und viele Arbeitsplätze in unserer Heimat. Deshalb setzen wir uns auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene dafür ein, dass energieintensive Industrien wieder verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen bekommen. Hierzu zählten in den vergangenen Monaten bereits der Wegfall der Gasspeicherumlage sowie die Berücksichtigung der Chemieparks beim Industriestrompreis. Die nun angekündigten Investitionen unterstreichen das Vertrauen des Konzerns in seinen Standort in Sachsen-Anhalt.“

Agrofert ist Gesellschafter der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, einem der größten Düngemittelwerke Deutschlands und einem zentralen Unternehmen im Agro-Chemie Park Piesteritz. Das Unternehmen steht – wie große Teile der europäischen Chemieindustrie – unter erheblichem wirtschaftlichen Druck, insbesondere durch hohe Energie(neben)kosten, internationale Überkapazitäten und zunehmende regulatorische Anforderungen.

Ministerpräsident Schulze verwies darauf, dass die Landesregierung im engen Austausch mit der Chemiebranche steht und sich gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden für konkrete Verbesserungen einsetzt – etwa bei CO2-Zertrifikaten, Bürokratieabbau und europäischen industriepolitischen Rahmenbedingungen. „Gerade in der aktuellen Situation ist es wichtig, dass Politik und Industrie im engen Dialog bleiben“, erklärte Schulze. „Unser Ziel ist klar: Wir müssen die Grundstoffchemie in Sachsen-Anhalt erhalten und gleichzeitig Rahmenbedingungen für neue Investitionen ermöglichen.“

Hintergrund

Die Chemieindustrie gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Sachsen-Anhalts. Sie erwirtschaftet rund ein Fünftel des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes im Land und beschäftigt mehrere tausend Menschen. Der Agro-Chemie Park Piesteritz zählt zu den bedeutendsten Chemiestandorten Deutschlands. Seit 2005 hat der Agrofert-Konzern mehr als 1,6 Milliarden Euro in den Standort Wittenberg investiert. Im Agro-Chemie Park Piesteritz arbeiten rund 2.500 Menschen direkt, insgesamt hängen in der Region etwa 10.000 Arbeitsplätze vom Standort ab.

Bild: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, Agrofert-Geschäftsführer Petr Cingr und SKW-Geschäftsführer Carsten Franzke (v.l.). Foto: Staatskanzlei Sachsen-Anhalt

Von Redaktion

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