Wittenberg (aw). Mit rund 200 Gästen aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Klienten, Mitarbeitenden und Vereinsmitgliedern feierte das Augustinuswerk Wittenberg am 11. Februar sein 35-jähriges Bestehen im festlich geschmückten Stadthaus. Geschäftsführer und Vorstand Matthias Monecke, Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Keitzl und Stellvertreter Geschäftsführer Alexander Golsch begrüßten die Gäste.

Tatkräftige Unterstützung kam vom „Ideenreich“, einer Werkstatt des Augustinuswerks, die bei der Dekoration des Stadthauses und den Vorbereitungen half.

Noch bevor die offizielle Begrüßung beginnen konnte, fiel plötzlich das Licht aus – ein Feueralarm ertönte. Einige Gäste verließen zunächst das Gebäude, da der aufsteigende Dampf vom Buffet zunächst als Ursache vermutet wurde. Schnell wurde klar: Ein Erdschluss in einer defekten Kabelverbindung hatte Teile Wittenbergs lahmgelegt. Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke und unter den Gästen, beruhigte: „Der Schaden ist bekannt, wir sind dran, ihn schnell zu beheben.“

Zuversichtlich wand sich Matthias Monecke an die Gäste: „Wir haben in der Vergangenheit viele Krisen gemeistert – und auch diese werden wir meistern.“ Unter Notbeleuchtung öffnete die Bar, und die Gäste konnten das von Perry Thom, Leiter Augustinus-Café und Christian Reussner, Küchenchef in der Hauptwerk, geleitete Feinschmecker-Buffet genießen.

Nach rund anderthalb Stunden kehrte das Licht zurück, und die offizielle Eröffnung konnte mit musikalischer Begleitung durch den Augustinus-Chor „Auftakt“ beginnen. Moderatorin Kristin Ruske begrüßte die Gäste sichtlich erleichtert: „Zum ersten Mal gibt es Grußworte mit gefülltem Magen und einem Glas in der Hand. Die Technik ist noch nicht ganz zurück, aber es geht ja um die Menschen.“

Das Augustinuswerk sei ein unverzichtbarer sozialer Träger unserer Region, betonte sie. Mit Angeboten der Eingliederungshilfe, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, Pflege und Betreuung, Dienstleistungen sowie vielfältigen Projekten für Kinder, Familien und Jugendliche ermögliche das Werk Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben. „35 Jahre gelebte Inklusion – heute blicken wir zurück und zugleich nach vorn“, sagte Ruske und verwies auf den Leitsatz des Heiligen Augustinus: „Liebe – und tue, was du willst.“

Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Keitzl griff diese Geschichte auf. Besonders freute er sich über die Anwesenheit des ersten Geschäftsführers Bernd Keitzl, der die wirtschaftlichen Strukturen des Vereins von Beginn an prägte. Seit der Gründung 1990 habe sich das Augustinuswerk von einer kleinen Initiative zu einer der größten sozialen Einrichtungen im Landkreis entwickelt. Gegründet wurde der Verein damals von engagierten Wittenbergern gemeinsam mit evangelischer und katholischer Kirche, die die Trägerschaft des städtischen Rehazentrums übernahmen. Heute zählt das Werk knapp 450 Beschäftigte mit Behinderung und ca. 500 Mitarbeitende und betreut insgesamt rund 1.200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Einen besonders persönlichen Rückblick gab der ehemalige Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der mit seiner Frau Gabriele zum Jubiläum gekommen war. Als dienstältester Gast erinnerte er an die Zeit 1990, als er als stellvertretender Landrat in Wittenberg Verantwortung übernahm. „Wir standen plötzlich vor einer großen Aufgabe“, sagte Haseloff. „Die Zustände in der Behindertenarbeit zu DDR-Zeiten waren erschütternd. Die heutige Qualität ist paradiesisch dagegen.“ Unterstützung aus den alten Bundesländern habe den Aufbau erleichtert, und die Vereinsgründung habe erstmals eine Selbstverwaltung ermöglicht – den Grundstein für das heutige Augustinuswerk. „Wir waren allesamt Quereinsteiger“, betonte Haseloff. Ziel aller Integrationsmaßnahmen bleibe der Übergang in den ersten Arbeitsmarkt. Mit der größten Zahl an Integrationsbetrieben in Sachsen-Anhalt nimmt das Augustinuswerk eine Vorreiterrolle ein. „Dass das so bleibt, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, schloss Haseloff sein Grußwort.

Landrat Christian Tylsch und Mitglied im Verwaltungsrat betonte: „Das Augustinuswerk ist aus christlicher Nächstenliebe entstanden und hat sich zu einem fachlich kompetenten und verlässlichen Partner entwickelt. Das breite Netz an Angeboten von frühkindlicher Bildung über Werkstätten und verschiedene Wohnformen bis hin zur Pflege im Alltag ist beispielhaft. Der Schritt weg von klassischen Heimstrukturen zu differenzierten Wohnformen ist mit Stolz gelungen.“

Oberbürgermeister Torsten Zugehör, selbst ehemaliger Zivildienstleistender im Augustinuswerk, fügte humorvoll hinzu: „Hier lernt man Geduld – in einer Werkstatt kann ein Vorgang 10 Minuten oder auch eine Stunde dauern. Außerdem lernen Sie, kleine Dinge zu schätzen. Menschen mit geistiger Behinderung sind oft brutal ehrlich – das ist erfrischend und lehrreich zugleich.“

Matthias Monecke, seit 2011 Geschäftsführer und Vorstand des Augustinuswerks, zog Bilanz über die jüngsten Herausforderungen: Die vergangenen Jahre hätten das Werk mehrere Millionen Euro gekostet, doch heute sei man „für die Zukunft sauber aufgestellt“ und bereit, jede Krise zu meistern. Eindrücklich wurde die Vielfalt des Augustinuswerks auf der Leinwand sichtbar: 60 Gesichter stellten stellvertretend die Mitarbeitenden und Klienten dar. In einem kurzen Film präsentierten sich fünf verschiedene Klienten für fünf verschiedene Bereiche, um die Vielfalt der Arbeit im Augustinuswerk zu demonstrieren.

Auch die künstlerische Seite kam nicht zu kurz: Die „Glücksraketen“ unter Leitung von Fränzes Mura Thorun führten ein Theaterstück auf, das Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite zeigte – von Glück über kreative Unruhe, Kreativität und Melancholie bis hin zu Wut und Verzweiflung. Den Segen sprach Bischof Dr. Gerhard Feige.

Anschließend spielte die Liveband „Young Province“ auf, und rundete das Jubiläum musikalisch ab.
































